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Start ins Ausbildungsjahr

Wie Handwerksbetriebe Nachwuchs gewinnen und halten

Das Frühjahr ist die entscheidende Phase im Azubi-Recruiting. Während die einen noch abwarten, haben die anderen längst den Kontakt zu Schulen aufgebaut, sind in sozialen Medien sichtbar und führen erste Gespräche. Wer jetzt handelt, sichert sich die motiviertesten Talente. Wer zu spät kommt, kämpft im Sommer gegen Windmühlen. Ein Leitfaden für Handwerksbetriebe, die 2026 mit starkem Nachwuchs in die Ausbildung starten wollen.

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Plakativ, doch „real“: Zwei Betriebe – zwei Wege

Es ist Mitte März. In der Elektrowerkstatt Hoffmann läuft der Alltag wie immer: Baustellen, Kundentermine, Abrechnungen. „Um Azubis kümmern wir uns im Mai", sagt Inhaber Thomas Hoffmann.

30 Kilometer weiter, bei Sanitär Krause, dreht Azubi Lena gerade ein kurzes Instagram-Reel. „Tag X meiner Ausbildung – heute habe ich meine erste Heizung installiert", sagt sie in die Kamera. Das Video bekommt 230 Likes. Drei Jugendliche kommentieren: „Kann ich mal vorbeikommen?"

Vier Monate später, im Juli: Hoffmann schaltet Anzeigen, bekommt zwei Bewerbungen – beide Kandidaten brechen nach dem Probearbeitstag ab. Krause hat alle drei Ausbildungsplätze besetzt. Mit Jugendlichen, die sich im März gemeldet haben. Der Unterschied? Timing, Sichtbarkeit und Authentizität.

Warum das Frühjahr über Erfolg oder Misserfolg entscheidet

Zugegeben, voranstehendes Beispiel ist plakativ, doch damit nicht weniger realistisch. Ein Blick auf die Zahlen – rund 250.000 Ausbildungsplätze bleiben im Handwerk unbesetzt – macht deutlich, wie wichtig es ist, Azubis immer und mit höchster Priorität im Blick zu halten. Sie wichtig zu nehmen. Immerhin kämpfen sechs von zehn Betrieben mit massiven Nachwuchsproblemen, und nur jeder fünfte Schulabgänger zieht eine Zukunft im Handwerk überhaupt in Betracht. Der Wettbewerb um Talente ist härter denn je – nicht irgendwann, sondern genau jetzt.

Was im Frühjahr passiert:

Wer in dieser Phase sichtbar ist, gewinnt Aufmerksamkeit. Wer erst im Frühsommer mit klassischen Stellenanzeigen startet, bekommt nur noch Bewerber ohne klare Motivation.

# Berufsorientierungstage finden in Schulen statt

# Ausbildungsmessen ziehen durch die Regionen          

# Jugendliche recherchieren aktiv nach Ausbildungsplätzen

# Auf Instagram und TikTok schauen sich Jugendliche Berufe an

# Elternabende thematisieren berufliche Perspektiven                                                                      

Fünf Recruiting-Kanäle, die wirklich funktionieren

1. Social Media: Wo Jugendliche ihre Berufsentscheidung treffen

Instagram und TikTok sind für die Generation Z und die nachfolgende Generation Alpha die erste Anlaufstelle für Informationen. Jugendliche scrollen sich durch Reels, Stories und Clips und entscheiden in Sekunden, ob ein Beruf oder Betrieb für sie interessant ist. Dabei suchen sie nicht nach Perfektion, sondern nach Authentizität. Oder um es salopper auszudrücken: nach Real-Life.

Was funktioniert:

  • Kurze Videos vom Arbeitsalltag (30 – 60 Sekunden)
  • Azubis, die selbst erzählen: „Was ich vor meiner Ausbildung nicht wusste"
  • Einblicke in echte Projekte: „Heute bauen wir eine Photovoltaikanlage"
  • Behind-the-Scenes am Freitagnachmittag: Musik, Lachen, Werkstatt
  • Q&A-Formate: „Was verdienst du?", „Wie läuft die Prüfung?"

Was nicht funktioniert:

  • Hochglanz-Imagefilme
  • Lange Texte
  • Unpersönliche Corporate-Sprache
  • Stockfotos

Für Betriebe ohne Budget bietet es sich an, die eigenen Azubis einzubinden. Sie kennen die Sprache ihrer Generation und können authentisch von ihrem Alltag berichten. Ein Azubi-Takeover kostet nichts und erzeugt oft mehr Reichweite als bezahlte Werbung. Hashtags wie „ausbildung2026", „handwerk" kombiniert mit der eigenen Stadt oder dem Gewerk erhöhen die lokale Sichtbarkeit.

2. Schulkooperationen: Früh Kontakte knüpfen

Schulen suchen händeringend nach Betrieben, die Berufsorientierung praktisch unterstützen. Dabei ist der Einstieg einfacher als gedacht.

So geht's:

  • Zwei bis drei lokale Schulen anschreiben (Haupt-, Real-, Gesamtschulen)
  • Anbieten: „Ich komme für zwei Schulstunden vorbei"
  • Schulklassen in den Betrieb einladen (Werkstattführung, 1–2 Stunden)
  • Bei Elternabenden vorstellen
  • Projekttage unterstützen

Elternabende bieten eine weitere wichtige Plattform, denn rund 78 Prozent der Jugendlichen besprechen ihre Berufswahl intensiv mit den Eltern.

3. Schnuppertage und Mini-Praktika: Der unterschätzte Recruiting-Turbo

Ein Mini-Praktikum von ein bis drei Tagen ist der effektivste Weg, um Jugendliche zu überzeugen. In dieser kurzen Zeit sehen sie, wie der Alltag aussieht ist, sie spüren das Team und merken schnell, ob der Beruf zu ihnen passt. Ein Mini-Praktikum ist ein kurzes, unverbindliches Kennenlernen zwischen Jugendlichen und Betrieben. Es dauert meist ein bis drei Tage, manchmal sogar nur ein paar Stunden.

Rechtlicher Hinweis: Bis drei Tage ist keine extra Versicherung nötig. Ab vier Tagen greift die betriebliche Unfallversicherung.

Vorteile für Jugendliche:

  • Echte Einblicke ohne Druck
  • Frühzeitiges Gefühl für den Beruf
  • Fragen direkt stellen können
  • Niedrigschwellige Entscheidungshilfe

Vorteile für Betriebe:

  • Schnelle Einschätzung von Motivation und Teamfit
  • Geringer Organisationsaufwand
  • Kein Risiko, da keine Verpflichtung
  • Authentischer Kontakt statt Bewerbungsschreiben

4. WhatsApp-Recruiting: Niedrigschwellig und schnell

Für die Generation Z ist WhatsApp der natürlichste Kommunikationsweg. Eine Telefonnummer auf der Website oder im Instagram-Profil reicht oft schon aus. Jugendliche schreiben lieber eine kurze Nachricht, als eine E-Mail zu formulieren.

Beispiel-Nachricht eines Jugendlichen:

„Hey, ich bin Max, 16, und suche einen Ausbildungsplatz als Elektriker. Kann ich mal vorbeikommen?"

Optimale Antwort (innerhalb von 48 Stunden):

„Hallo Max, super, dass du dich meldest! Klar kannst du vorbeikommen. Wie wär's am Mittwoch oder Freitag für zwei bis drei Stunden? Ich zeige dir unsere Werkstatt, du lernst das Team kennen und kannst alle Fragen stellen. Sag Bescheid, welcher Tag dir passt. Grüße, Stefan."

Diese Nachricht ist schnell, persönlich, konkret und wertschätzend. Bei der Nutzung von WhatsApp für Bewerbungen sollte eine kurze Einwilligung eingeholt werden.

5. Eltern als Multiplikatoren: Der oft vergessene Kanal

Eltern spielen eine zentrale Rolle bei der Berufswahl ihrer Kinder. Sie haben oftmals ganz andere Prioritäten als Jugendliche und fragen nach Sicherheit, Verdienst und Aufstiegschancen ebenso wie der Möglichkeit zu studieren. Wer diese Fragen klar beantwortet, gewinnt Vertrauen – und damit oft auch den Azubi.

So holen Sie Eltern ins Boot:

  • Eltern-Azubi-Infoabend im Betrieb (1x jährlich)
  • Eltern zum Schnuppertag einladen
  • Klar kommunizieren: Verdienst, Perspektiven, Sicherheit
  • Testimonials von Azubi-Eltern nutzen

Vom Erstkontakt zum Vertrag

Vor dem Vertrag: Die kritische Phase

Ein Betrieb kann noch so gut auf Social-Media präsent sein – wenn der erste persönliche Kontakt schlecht läuft, springt der Jugendliche ab.

    Was Jugendliche brauchen:

    • Schnelle Reaktion (48-Stunden-Goldstandard)
    • Persönliche Ansprache (Name, direkter Bezug)
    • Klare Infos (Wann? Wie lange? Was erwartet mich?)
    • Wertschätzung („Freut mich, dass du dich meldest!")

    Warum Jugendliche abspringen:

    • Sie warten 10 Tage auf Antwort
    • Der Tonfall ist steif und bürokratisch
    • Niemand erklärt, was beim Kennenlernen passiert

    Nach dem Vertrag: Die unterschätzte Phase

    Ein unterschriebener Ausbildungsvertrag im April bedeutet nicht, dass der Azubi im August erscheint. Viele springen ab, weil der Kontakt abbricht.

    So bleibt die Bindung stark: April bis August Kontakt halten

    • April: Vertrag unterschrieben → Willkommens-Nachricht
    • Mai: „Wie läuft die Schule? Noch Fragen?"
    • Mai: Einladung zum Teamgrillen / Werkstattnachmittag
    • Juni: Starter-Set verschicken (Handschuhe, Block, T-Shirt)
    • Juli: „In 4 Wochen geht's los – wir freuen uns auf dich!"
    • August: Erster Arbeitstag → Willkommensmappe, Pate

    Hinweis: Je nach Bundesland ist der Ausbildungsstart unterschiedlich, der Fahrplan gilt als Richtwert und kann individuell angepasst werden.

    Onboarding-Checkliste: Die ersten vier Wochen im Betrieb

    Woche 1: Ankommen

    • Betrieb, Team, Abläufe kennenlernen
    • Arbeitsplatz einrichten
    • Sicherheitsunterweisung
    • Fester Pate wird zugeteilt

    Woche 2: Erste Schritte

    • Kleine Aufgaben unter Anleitung
    • Werkzeuge kennenlernen

    Woche 3: Mitarbeiten

    • Einbindung in echtes Projekt
    • Erste eigenständige Tätigkeiten

    Woche 4: Feedback

    • Erstes Feedbackgespräch (15 Minuten)
    • „Wie geht's dir? Was läuft gut?"
    • „Was brauchst du? Was können wir besser machen?"
    • „Alle Abläufe erklärt?"

    Praxistipps: Zwei Betriebe, zwei Erfolgsgeschichten

    Beispiel 1: Malerbetrieb Schmidt (5 MA)

    Situation: Kleiner Betrieb, keine Social-Media-Erfahrung, Inhaber 58 Jahre

    Lösung:

    - Azubi Lisa übernimmt Instagram (2x/Woche kurze Videos)

    - WhatsApp-Nummer auf Fahrzeug und Website

    - Kooperation mit lokaler Realschule

    Ergebnis: Zwei Instagram-Bewerbungen, beide Mini-Praktikum, beide Verträge unterschrieben.

    Beispiel 2: KFZ-Werkstatt Hoffmann (9 MA)

    Situation: Gute Reputation, aber keine digitale Präsenz

    Lösung:

     - Azubi Max wird „Azubi-Botschafter" (1 Post/Woche)

    - Schnuppertage jeden Mittwoch (2 – 4 Stunden)

    - Kooperation mit Berufsschule (Gastvorträge)

    Ergebnis: Fünf Schnuppertage im März/April, drei davon führten anschließend zu Verträgen.

    Die 30-Minuten-Checkliste

    Sofort umsetzbar, auch ohne Budget:

    1. Drei kurze Handyvideos vom Arbeitsalltag aufnehmen

    4. Mini-Praktikum offiziell anbieten

    2. WhatsApp-Nummer auf Website setzen

    5. Azubis fragen: „Was würdet ihr erzählen?"

    3. Zwei lokale Schulen anschreiben

    6. Textbaustein für schnelle Rückmeldungen erstellen

    Fazit: Früh starten, echt bleiben, Menschen gewinnen

    Die Azubisuche erfordert Frühzeitigkeit. Betriebe, die im April und Mai sichtbar sind, authentische Einblicke geben und Jugendliche wertschätzend begleiten, gewinnen die passenden Menschen für ihr Team. Es braucht keinen großen Aufwand – nur einen ehrlichen Blick in die Werkstatt, eine schnelle Antwort und Kontinuität. Das Frühjahr ist die Zeit, in der diese Weichen gestellt werden. Wer jetzt handelt, erntet im Herbst.

    Quellen und weiterführende Informationen:

    Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH)
    www.zdh.de

    IHK/HWK Berufsorientierung
    www.handwerkskammer.de

    Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)
    www.bibb.de

    handwerk magazin
    www.handwerk-magazin.de

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